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Endlich Urlaub

Kenunkel saß traurig am Meeresstrand
weil er den Weg zum Berg nicht fand                      

Im Jahr darauf hockt an der Ruhr
weil er sich wieder mal verfuhr

Das Jahr danach fror er im Moor
die Orientierung er zuvor verlor

Die Jahre kommen und sie gehen
den Berg Kenunkel hat nie gesehen

Seither sitzt er auf dem Balkon
wo er nie hinwollte, war er ja schon

 


Jagd auf Sören

Schon seit der Eröffnung geht Sören gerne in das große Einkaufzentrum. Da gibt es jede Menge Geschäfte. Alles was Mann so braucht, kann er hier auf einen Durchgang besorgen. So auch letzten Dienstag. Er wollte sich eigentlich nur eine Tageszeitung holen. Ein wenig bummeln in der warmen Umgebung. Dazu hatte er wie immer sein Auto in der Garage des Centers geparkt und schlenderte nun durch die bunte Einkaufswelt.

Er ging so gerne hierher. Immer was los und freundliche kompetente VerkäuferInnen.  Hier gab es kein "Kollege kommt gleich", oder keine vergebliche Suche nach Verkaufspersonal, wenn es mal eine Frage gab. Zwar passierte es ihm auch hier immer wieder, im Supermarkt genau die Kasse zu erwischen, wo entweder die Rolle für die Kassenbons leer war, und eine neue sich nicht so ohne weiteres einspannen lies, oder die dann, wenn er eben seine Einkäufe auf das Band schlichten wollte, zu machte. Ja oder es kramte jemand in seinen sämtlichen Taschen nach jedem einzelnen Cent um zu bezahlen. Doch dass war für Sören Routine und gehörte einfach dazu.

Wie er da so schlenderte, Richtung Zeitungsladen, sah er in einem der zahlreichen Bekleidungsgeschäften, ein schönes Hemd hängen. Er ging näher um es zu befühlen und aus der Nähe zu betrachten. Doch noch bevor er seine Hand ausstrecken konnte, war schon eine Verkäuferin zur Stelle. "Wir haben auch noch andere Angebote" sagte sie und zog Sören am Ärmel tiefer in den Laden. Dort packte sie so ca. 10 Hemden auf einen Stapel vor Sören. Dieser war verwirrt. Eigentlich wollte er ja gar nichts kaufen, nur schauen. Doch noch ehe er eines der vor ihm aufgestapelten Hemden genauer ansehen konnte, meinte die Verkäuferin: "Schauen Sie, schöne Pullis haben wir auch im Angebot" und packte flugs auf den Hemdenhaufen auch noch fünf Pullis. "Danke," meinte Sören schüchtern, "ich wollte nur dieses eine Hemd näher ansehen".

Doch die Verkäuferin lies sich nicht beirren. Zog einen der Pullis aus dem Stapel und griff sich eine Hose, die neben ihr auf einem Ständer hing. "Schauen Sie, wie schick. Und alles im Angebot". Sören wurde nervös. Er wollte doch keinen Pulli und er wollte keine Hose kaufen. "Ich will wirklich nur das Hemd da vorne anschauen," versuchte er deshalb noch einmal die Verkäuferin zu bremsen. "Kein Problem," meinte diese, "schauen sie, gleich da hinter ihnen, wunderschöne Jacken, auch alle im Angebot." Sören begann zu schwitzen. Einerseits war es ja recht nett und rührig von dieser Verkäuferin, doch er wollte doch nichts kaufen und er wollte nicht, dass sie wie ein Wiesel durch den Laden flitzte um ihm ständig neue Sonderangebot auf den inzwischen beängstigend hoch angewachsenen Stapel zu legen.

Über zwei Stunden vergingen so, bis Sören endlich allen Mut zusammen nahm und als die Verkäuferin wieder mal nach neuen Waren wuselte, blitzschnell das Geschäft verlies. Allerdings nicht ohne dass die Verkäuferin noch nachrief: "Sehen sie da in der Mitte der Passage, da haben wir noch Sonderstände mit lauter Sonderangeboten."

Puh, geschafft dachte Sören. Doch schon wenige Meter weiter, als er sich die Auslage eines Hutladens anschaute, kam die nächste Verkäuferin auf ihn zu. "Schön, gell. Wir haben noch jede Menge Sonderangebote im Laden. Ich zeige Sie ihnen gerne." Bei den Worten zuckte Sören zusammen. Doch noch bevor er abermals die Flucht ergreifen konnte, war die Verkäuferin schon wieder da, mit einem Stapel Hüten, die sie wie ein Zirkusakrobat jonglierte. Beinahe eine Stunde stand Sören da vor dem Laden und begutachtete die verwegensten Hutkreationen. Dabei war er überhaupt kein Hutträger. Dies versuchte er auch dieser so netten Verkäuferin klar zu machen. Die jedoch lies sich nicht abhalten, ihm einen Hut nach dem anderen aufzusetzen, ihn kritisch zu begutachten, um gleich darauf einen neuen auszuprobieren. Auf seinem Kopf, mit ihren Kommentaren: "Nöö, der macht sie zu alt. Nein, der passt nicht zu ihnen. Der ist wie für sie gemacht."  Auch da nutzte Sören einen unbedrängten Moment um zu entwischen.

An diesem Tag kam er erst am späten Nachmittag nach Hause zurück. Die Parkgebühr fürs Parkhaus hatte ein kleines Vermögen verschlungen, die Zeitungen waren schon ausverkauft gewesen, und Sören klingelten die Ohren. Nachts hatte er wüste Alpträume von Sonderangeboten, die überall in seiner Wohnung saßen und ständig "da bin ich" riefen, sobald er in die Nähe kam. Also das war ja wohl auch nichts.

Er träumte fortan vom Mittelmaß beim Einkaufen. Soviel Beratung wie nötig, so wenig wie möglich. Nicht diese Extreme zwischen "Kollege kommt gleich" und "da haben wir noch soviel Sonderangebote". Und wenn er jetzt ins Einkaufszentrum geht, zieht er sich die Kapuze seines Anoraks weit ins Gesicht, nimmt und rast ohne nach rechts oder links zu schauen bis zu dem Geschäft,  wo er wirklich etwas kaufen will oder muss.

Sören sieht fern

Neulich hat Sören wieder einmal ausgiebig im Fernsehen herum gezappt. Kam da nicht eine Werbung mit einem Mädchen. Oder besser einer frechen Göre Namens Kati. Die quäkte irgendwas von Mixer und von Alarm. Und auf die Frage ihrer Mutter, "Kati, hast Du mein Mansch gesehen?", antwortete die doch glatt: "Nöö" und dabei löffelte sie fröhlich eben dieses Mansch. Ja, war das jetzt die neue Kultur? Kinder machen Werbung und Kinder lügen. Und der Mutter scheint es herzlich egal zu sein, wenn ihre Tochter ihr ins Gesicht lügt. Ist DAS die Zukunft, ist DAS "Du bist Deutschland?

Sören dachte gerade noch über Werte nach, und wie so eine Darstellung auf Kinder wirkt, als der nächste Werbeblock kam. Ein Knabe war dabei, Kaffee in eine Thermoskanne zu füllen. Als der Vater verwundert fragte, was er denn mit dem Kaffee machen würde, meinte der Junge: "Der ist für meine Lehrerin, hab die Hausaufgaben vergessen. Und der Kaffee heißt doch auch "Schauweg". "Schau weg Papi, klappt bei Dir doch auch immer." Oh wie toll, dachte sich Sören. Erst wird den Kindern beigebracht zu lügen, jetzt jemanden zu bestechen. Da wird dem Kind signalisiert, wenn Du Deine Aufgaben nicht gemacht hast, gib statt dessen einfach ne Tasse Kaffee und Du brauchst nie mehr Leistung bringen oder korrekt sein.

Ja, ein Spiegel dieses Werbefernsehen: "Das ist Deutschland - die sind Deutschland- wir sind Deutschland" Und Sören dachte doch immer, dass Kinder unser wertvollstes Gut sind, die es gilt anzuleiten, zu begleiten und zu schützen. Auch vor Selbstbetrug, Lügen und Bestechungen. Und dann konnte er sich des Gedankens nicht erwehren: Kati und den Bubi in den Mixaaaar und Brei draus.....und wenn Katimama und Bubipapa dann fragen: "Sören hast Du Kati und Bubi gesehen?" dann würde Sören sagen: "Nöööö"

 

12.01.2006© Steffi Melakka alle Rechte vorbehalten. Alle Artikel, Gedichte und Bilder unterliegen dem Urheberrecht Veröffentlichung, Druck, Zitate nur nach vorheriger Genehmigung, ausschließlich über Steffi Melakka. Hinweise dazu finden sie im Impressum

Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 25.02.2006